Was waren die wichtigsten Entwicklungen im Jahr 2025?
Sandro Bolton: Wir haben uns organisatorisch bewusst weiterentwickelt – von einer traditionellen Organisation hin zu einer Projektorganisation. Jedes Projekt ist Teil eines Gesamtbildes und muss strategisch stimmig sein. Das schafft mehr Fokus, Klarheit und Agilität. Mit Erfolg steigen auch die Erwartungen – umso wichtiger ist es, klar zu definieren, was zu unserem Auftrag gehört und was nicht. Die strategische Ausrichtung der TOI wurde an der Vorstands-Retraite im Herbst in Gstaad bestätigt und wird konsequent weitergeführt.
Ein wichtiger Schritt war zudem der Schulterschluss mit den IMUWGS-Gemeinden. Neu fliessen zusätzliche Logiernächte-abhängige Entlastungszahlungen zweckgebunden über die Arbeitsgruppe «touristische Infrastruktur» in die Verschönerung des Ortsbildes. Damit leisten wir einen sichtbaren Beitrag zur Attraktivität des gesamten TOI-Vereinsgebiets – für Gäste und Einheimische.
Daniel Sulzer: 2025 war ein starkes Jahr, in dem wir viel bewegen konnten. Operativ war es geprägt von der konsequenten Umsetzung unserer strategischen Schwerpunkte. Mit der Entwicklung der neuen Markenwelt haben wir eine klare Grundlage für Qualität und Positionierung als Ganzjahresdestination geschaffen – und damit ein gemeinsames Verständnis dafür, wofür Interlaken künftig stehen soll. Gleichzeitig haben wir Projekte im Rahmen der digitalen Transformation umgesetzt, insbesondere mit dem Interlaken Guide als Schlüsselprojekt entlang der gesamten Guest Journey.
Interlaken spielt in der globalen Champions League der Destinationen. Welche Rolle spielt dabei die neue Markenwelt?
Daniel Sulzer: Interlaken hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt – unsere Marke jedoch kaum. Deshalb war es Zeit für einen stilvollen und zeitgemässen Auftritt, der zeigt, wer wir heute sind und wer wir morgen sein wollen: eine attraktive Ganzjahresdestination, geprägt von Qualität, Authentizität und aussergewöhnlichen Erlebnissen. Die neue Markenwelt macht genau das sichtbar. Interlaken soll nicht nur besucht, sondern erlebt werden.
Sandro Bolton: Die neue Markenwelt gibt Interlaken ein klares Profil. Wir wollen selbstbewusst auftreten und die Destination als qualitätsorientierten Ort weiter schärfen. Der Anspruch ist klar: Qualität vor Quantität.
Wie stärkt die TOI das Tourismusbewusstsein?
Sandro Bolton: In Interlaken sind rund 85% der Arbeitsstellen direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig. Umso wichtiger ist es, die Bedeutung des Tourismus für die Region aufzuzeigen und welchen Beitrag der Tourismus zur regionalen Wertschöpfung leistet. Tourismusbewusstsein ist entscheidend für die langfristige Entwicklung unserer Region. Mit gezielten Sensibilisierungsmassnahmen stärken wir seit vielen Jahren dieses Verständnis.
Daniel Sulzer: Als Advokat des Gastes wollen wir maximalen Gästenutzen stiften – und gleichzeitig Lösungen entwickeln, die für Gäste und Einheimische funktionieren. Der neue Interlaken Guide zeigt, wo besondere Rücksicht gefragt ist. Gäste finden dort zudem einfache «Dos and Don’ts». So wird das Zusammenleben verständlicher und angenehmer für alle. Rund CHF 500’000 unserer Investitionen in den Gästenutzen kommen jährlich auch Einheimischen zugute. Hinzu kommen gezielte Einheimischen-Aktionen wie bei den Genusstouren Thuner- und Brienzersee, bei denen die TOI einen Teil der Kosten übernimmt.
Interlaken positioniert sich als internationale Ganzjahresdestination. Wie gelingt dieser Schritt konkret?
Sandro Bolton: Ganzjahrestourismus schafft Stabilität und stärkt Arbeitsplätze. Wir investieren gezielt in die Wintermonate. Dafür braucht es attraktive Angebote in jeder Jahreszeit. Besonders freut uns daher, dass Partner und Leistungsträger – von der Gastronomie bis zu Freizeitbetrieben – ihr Winterangebot laufend erweitern und so zu einer lebendigen Ferienregion beitragen. Für das Engagement danken wir allen herzlich.
Daniel Sulzer: Wir schichten um und schaffen Anreize, dass die Gäste länger bleiben und mehr erleben. Unser Ziel ist es, die Nachfrage besser über das Jahr zu verteilen und die Aufenthaltsdauer zu erhöhen – ganz im Sinne von «stay longer – experience more». Im Zuge unserer Winterentwicklung fand vom 19. – 23. Januar 2026 die Switzerland Travel Mart 2026 Winter Edition in Interlaken statt, organisiert von Schweiz Tourismus gemeinsam mit der TOI und weiteren Partnern. 120 internationalen Buyers aus rund 20 winteraffinen Top-Märkten nahmen daran teil. Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind auch die Investitionen vieler Beherbergungsbetriebe, welche die internationale Ausstrahlung der Marke Interlaken stärken.
Ein Akzent im Jahr 2025 war Digitalisierung. Welche Rolle spielt sie im Tourismus?
Daniel Sulzer: Sowohl in den Märkten als auch an der Tourist Information zeigt sich eine steigende Nachfrage nach digitalen Angeboten. Mit dem Interlaken Pass und dem Interlaken Guide schaffen wir eine digitale Infrastruktur, die Gäste von der Inspiration über die Reisevorbereitung bis zum Aufenthalt vor Ort begleitet. Gleichzeitig schaffen wir eine bessere Datengrundlage für die Produktentwicklung und eine gezielte Gästelenkung.
Sandro Bolton: Digitalisierung ist zentral für die Servicequalität entlang der gesamten Guest Journey. Sie erleichtert die Orientierung, verbessert die Kommunikation und macht Entwicklungen messbarer.